Anbaufräsen für Bagger: Bauarten, Funktionsweise und Auswahlkriterien

Für Anbaufräsen gilt: Sie sind hydraulisch angetriebene Anbaugeräte für Bagger und andere Trägergeräte, mit denen sich Fels, Beton, Asphalt und gefrorener Boden präzise, erschütterungsarm und vergleichsweise leise abtragen lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anbaufräsen sind hydraulische Anbaugeräte für Bagger, Minibagger und weitere Trägergeräte.
  • Sie eignen sich für präzisen Materialabtrag bei Fels, Beton, Asphalt und gefrorenem Boden.
  • Der Abtrag erfolgt erschütterungsarm und geräuscharm im Vergleich zu Hammer oder Stemmarbeiten.
  • Wichtige Einsatzfelder sind Abbruch, Tunnelbau, Grabenbau, Sanierung und Spezialtiefbau.
  • Die passende Bauart hängt von Trägergerät, Hydraulikleistung, Material und gewünschter Fräsgeometrie ab.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Anbaufräse?
  2. Funktionsweise und Aufbau
  3. Bauarten im Überblick
  4. Querschneidkopffräsen, die klassischen Rotationsfräsen
  5. Längsschneidkopffräsen und Axialfräsen
  6. Kettenfräsen für präzise Gräben
  7. Flächenfräsen und Scheibenfräsen
  8. Schneidräder und Radfräsen
  9. Asphaltfräsen als Baggeranbau
  10. Hydraulische Sägen und Diamantsägen
  11. Trägergeräte und Kompatibilität
  12. Einsatzgebiete im Überblick
  13. Auswahlkriterien für die richtige Anbaufräse
  14. Vorteile gegenüber alternativen Verfahren
  15. Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
  16. Anbaufräsen mieten: Wirtschaftlichkeit und Flexibilität
  17. FAQ: Häufige Fragen zu Anbaufräsen

Was ist eine Anbaufräse?

Eine Anbaufräse, häufig auch als Baggerfräse, Fräskopf oder Baggeranbaufräse bezeichnet, ist ein hydraulisch angetriebenes Anbaugerät, das über den Stiel eines Trägergeräts geführt wird und mit rotierenden, meißelbesetzten Schneidköpfen Material schichtweise abträgt. Die Versorgung erfolgt über den Hydraulikkreislauf des Baggers. Im Unterschied zu selbstfahrenden Straßenfräsen oder Kaltfräsen verfügt eine Anbaufräse weder über ein eigenes Fahrwerk noch über einen eigenen Antriebsmotor, sondern nutzt ausschließlich die Leistung des Trägergeräts.

Typische Einsatzmaterialien reichen von weichem Gestein über Beton und Stahlbeton bis hin zu Asphalt, Mauerwerk und hartgefrorenem Boden. Je nach Ausführung können Anbaufräsen auch gefrorene Böden, Ziegel oder Naturstein bearbeiten. Die Bandbreite der verfügbaren Modelle erstreckt sich von kleinen Geräten für Minibagger ab etwa 1,5 Tonnen Einsatzgewicht bis zu schweren Ausführungen für 70-Tonnen-Bagger und darüber hinaus.

Wichtige Abgrenzungen im Begriffsfeld:

  • Anbaufräse oder Baggerfräse: allgemeiner Oberbegriff für hydraulische Fräswerkzeuge am Trägergerät
  • Rotationsfräse: Bauart mit rotierenden Trommeln, meist als Querschneidkopf ausgeführt
  • Querschneidkopffräse: Schneidkopfachse steht senkrecht zum Baggerstiel
  • Längsschneidkopffräse oder Axialfräse: Schneidkopfachse verläuft parallel zum Baggerstiel
  • Kettenfräse: Querschneidkopffräse mit umlaufender Fräskette zwischen den seitlichen Schneidköpfen
  • Flächenfräse oder Scheibenfräse: für präzise Flächenbearbeitung optimierte Bauart
  • Schneidrad oder Radfräse: scheibenförmiges Werkzeug für schmale Schlitze und Gräben

Funktionsweise und Aufbau

Der grundsätzliche Aufbau einer hydraulischen Anbaufräse ist über alle Bauarten hinweg vergleichbar. Ein Hydraulikmotor mit konstantem Schluckvolumen treibt über ein Getriebe, meist ein Kegel-Planetengetriebe oder ein Stirnradgetriebe, einen oder zwei Fräsköpfe an. Auf den Schneidköpfen sitzen auswechselbare Rundschaftmeißel aus Hartmetall, deren Geometrie auf das zu bearbeitende Material abgestimmt ist. Beim Fräsen dringen die Werkzeuge auf parallel verlaufenden Schneidbahnen in das Material ein und brechen das Gestein zwischen den Schneidbahnen aus.

Die Leistungsfähigkeit einer Anbaufräse wird durch drei Faktoren bestimmt: die einaxiale Druckfestigkeit des zu fräsenden Materials, die vom Bagger bereitgestellte Hydraulikölmenge in l/min und den Öldruck in Bar. Hinzu kommt die Standfestigkeit und das Gewicht des Trägergeräts, das die Reaktionskräfte beim Fräsvorgang aufnehmen muss. Typische Betriebsdrücke liegen je nach Modell zwischen 250 und 420 Bar, die Ölmengen bewegen sich zwischen etwa 30 und 500 l/min.

Der Antrieb erfolgt entweder über einen klassischen Doppelwirkungs-Hydraulikkreis mit zusätzlicher Leckölleitung oder über einen Hammerkreislauf, bei dem nur zwei Hydraulikleitungen erforderlich sind. Die Anbauvariante über einen Schnellwechsler, etwa ein Symmetrix-, Lehnhoff- oder OilQuick-System, hat sich in den letzten Jahren als Standard etabliert. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Wissensartikel zum Bagger Schnellwechsler.

Zentrale Kenngrößen einer Anbaufräse:

  • Einsatzgewicht des Trägergeräts: gibt den kompatiblen Baggerbereich an, typisch zwischen 1,5 und 125 Tonnen
  • Betriebsgewicht der Fräse: reicht von etwa 50 kg bei kleinen Modellen bis über 4.000 kg bei schweren Ausführungen
  • Antriebsleistung: zwischen 10 und über 220 kW
  • Schneidkopfdurchmesser: üblicherweise 200 bis über 1.000 mm
  • Schneidkopfbreite oder Fräsbreite: je nach Bauart und Modell zwischen 50 und über 2.000 mm
  • Maximale Frästiefe pro Durchgang: abhängig von Durchmesser und Bauart, typischerweise 50 bis 300 mm
  • Drehmoment am Schneidkopf: bis über 30.000 Nm bei großen Modellen
  • Drehzahl: zwischen etwa 50 und 180 U/min

Bauarten im Überblick

Anbaufräsen werden nach der Anordnung ihrer Schneidköpfe und nach ihrer primären Einsatzart unterschieden. Die wichtigsten Bauarten sind Querschneidkopffräsen, Längsschneidkopffräsen, Kettenfräsen, Flächenfräsen, Schneidräder sowie spezielle Asphaltfräsen als Baggeranbau. Jede Bauart hat spezifische Stärken, die sie für bestimmte Anwendungsfelder prädestinieren.

Querschneidkopffräsen, die klassischen Rotationsfräsen

Die Querschneidkopffräse, oft auch als Rotationsfräse oder Doppeltrommelfräse bezeichnet, ist die am weitesten verbreitete Bauart. Zwei Trommeln rotieren quer zur Baggerstielachse und arbeiten dabei zeitgleich, meist gegenläufig, um das Material über die gesamte Fräsbreite abzutragen. Die Reaktionskräfte wirken in Richtung Schneidarm, was für eine hohe mechanische Effizienz sorgt und das Eigengewicht vergleichsweise gering hält.

Typische Kennwerte

  • Baggergewichtsklasse: von etwa 1 Tonne (Mikrobagger) bis über 125 Tonnen
  • Schneidkopfdurchmesser: 300 bis 1.000 mm
  • Fräsbreite: 400 bis 1.500 mm
  • Leistung: typischerweise 20 bis über 200 kW
  • Drehzahl: meist zwischen 50 und 90 U/min, je nach Ölmenge

Typische Einsätze

Rotationsfräsen werden überall dort eingesetzt, wo flächiger Materialabtrag oder Profilierarbeiten im Vordergrund stehen. Dazu zählen Tunnelbau und Untertagebau, Abbruch von Beton- und Stahlbetonkonstruktionen, Felsabtrag in Steinbrüchen, Betonsanierung an Fassaden und Bohrpfahlwänden, Ausbaggern von Baugruben in standfestem Fels sowie Unterwasserarbeiten. Kleinere Modelle wie die Doppeltrommelfräsen für Minibagger ab 3,5 Tonnen werden auch in innerstädtischen Bereichen oder sensiblen Wohngebieten eingesetzt, wo ein Hydraulikhammer zu starke Vibrationen erzeugen würde.

Am Markt bieten verschiedene Hersteller wie Kemroc, Erkat (Epiroc), Simex, MB Crusher und Rockwheel umfangreiche Modellreihen mit jeweils spezifischen Stärken an. Die Auswahl des passenden Modells richtet sich nach Baggerklasse, Einsatzmaterial und Verfügbarkeit eines passenden Schnellwechsleradapters.

Querschneidkopffräse mieten

Längsschneidkopffräsen und Axialfräsen

Bei der Längsschneidkopffräse, auch als Axialfräse bezeichnet, verläuft die Drehachse des Schneidkopfs parallel zum Baggerstiel. Typisch sind ein oder zwei längs angeordnete Schneidköpfe, die in der Verlängerung des Arms rotieren. Die Reaktionskräfte wirken senkrecht zum Schneidarm, was ein stabileres Trägergerät verlangt als bei Querschneidkopffräsen. Dafür erzielen Längsschneidkopffräsen hohe Eindringleistung bei schmaler Bauweise.

Typische Kennwerte

  • Baggergewichtsklasse: meist 15 bis 40 Tonnen
  • Schneidkopfdurchmesser: häufig zwischen 400 und 900 mm
  • Baubreite: deutlich schmaler als Querschneidkopffräsen, oft unter 500 mm

Typische Einsätze

Axialfräsen spielen ihre Stärken im Spezialtiefbau aus, etwa beim Ausfräsen von Fundamentlöchern, beim Bearbeiten von Bohrpfahlköpfen oder beim präzisen Einfräsen in begrenzte Räume. Durch die schmale Bauweise eignen sie sich für Arbeiten in engen Schächten oder Gräben. Einige Modelle, etwa die KRL-Serie von Kemroc, lassen sich durch Wechsel des Schneidkopfs zu Schneckenbohrantrieben oder Baumstumpffräsen umrüsten.

Axialfräse mieten

Kettenfräsen für präzise Gräben

Die Kettenfräse ist eine Sonderform der Querschneidkopffräse mit einer zusätzlichen Fräskette, die zwischen den beiden seitlichen Schneidköpfen umläuft. Diese Kette ist mit Hartmetallmeißeln bestückt und entfernt den Mittelsteg, der bei klassischen Querschneidkopffräsen zwischen den Trommeln stehen bleiben würde. Dadurch entsteht ein exakt definierter Graben in einem einzigen Arbeitsgang.

Technische Besonderheiten

  • Baggergewichtsklasse: von etwa 1,5 bis 70 Tonnen
  • Grabenbreite: wird durch den Kettenumlauf exakt definiert, typischerweise zwischen 80 und 400 mm
  • Grabentiefe: je nach Modell bis über 1.500 mm in einem Durchgang
  • Energieeinsparung: im Vergleich zu klassischen Querschneidkopffräsen bis zu 40 Prozent weniger Energiebedarf
  • Fräsgut: feinkörnig, häufig direkt zur Verfüllung wiederverwendbar

Typische Einsätze

Kettenfräsen sind die erste Wahl im Grabenbau, Kanalbau, Rohrleitungsbau und bei der Verlegung von Kabeltrassen in felsigem oder stark verdichtetem Untergrund. Da sie ohne Mittelsteg arbeiten, entfällt das aufwendige Verschwenken der Fräse, was die Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und den Bagger mechanisch schont. In Kombination mit einer Bagger-Maschinensteuerung lassen sich Gräben mit einer Lagegenauigkeit von wenigen Zentimetern erstellen.

Flächenfräsen und Scheibenfräsen

Die Flächenfräse, auch als Scheibenfräse oder Bodenflächenfräse bezeichnet, ist für exakt definiertes Abtragen horizontaler oder leicht geneigter Flächen konstruiert. Charakteristisch sind seitlich angebrachte Gleitkufen oder Stützrollen, die parallel zur Arbeitsfläche laufen und eine konstante Frästiefe sicherstellen. Die Tiefeneinstellung erfolgt mechanisch oder hydraulisch, oft unabhängig links und rechts, sodass auch Gefälle präzise ausgearbeitet werden können.

Einsatzbereiche

Flächenfräsen kommen überall dort zum Einsatz, wo Oberflächen planeben profiliert oder flächig abgetragen werden sollen: Asphalt- und Betonabtrag im Straßenbau, Ausfräsen von Aufgrabungen vor der Sanierung, Profilieren von Baugrubensohlen in Fels, Abtragen beschädigter Industrieböden oder das Anlegen definierter Gefällelinien in Innenhöfen. Die Baureihen reichen von kompakten Modellen für Minibagger ab etwa 2 Tonnen bis zu schweren Ausführungen für 30-Tonnen-Bagger. Einen dedizierten Mietbereich finden Sie unter Flächenfräsen und Scheibenfräsen Anbaugerät auf dem Rental-Portal.

Abgrenzung zur Beton-Flächenfräse

Der Begriff „Beton Flächenfräse" bezieht sich häufig auf Spezialausführungen mit besonders verschleißfesten Meißelbestückungen, die für hohe Betonfestigkeiten ausgelegt sind. Die Grundbauweise bleibt dieselbe, lediglich Meißelgeometrie und Trommelmaterial sind auf den harten Einsatz angepasst.

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Schneidräder und Radfräsen

Ein Schneidrad oder eine Radfräse ist ein scheibenförmiges Werkzeug, bei dem die Schneidelemente auf dem Umfang einer stabilen Scheibe sitzen. Im Unterschied zu Trommelfräsen arbeitet das Schneidrad nicht flächig, sondern erzeugt einen schmalen, tiefen Schlitz. Der Antrieb erfolgt meist über hubraumstarke Radialkolben-Hydraulikmotoren, die ein hohes Drehmoment direkt auf das Rad übertragen.

Typische Kennwerte

  • Schlitzbreite: häufig zwischen 50 und 200 mm
  • Schlitztiefe: je nach Raddurchmesser bis über 1.000 mm
  • Baggergewichtsklasse: 5 bis 50 Tonnen
  • Tiefeneinstellung: mechanisch oder hydraulisch über Gleitkufen

Typische Einsätze

Schneidräder werden vor allem für schmale Gräben und präzise Schnitte in harten, festen Oberflächen eingesetzt. Klassische Anwendungsfelder sind die Verlegung von Glasfaserkabeln, Mikrotrenching-Verfahren für Breitbandausbau, schmale Kabelgräben in Asphalt und Beton sowie Schneidarbeiten unter Wasser. Durch die konstante Frästiefe und den sauberen Materialauswurf entstehen maßhaltige Gräben, die sich mit deutlich geringerem Nachbearbeitungsaufwand schließen lassen als Gräben aus Trommelfräsen. Eine Übersicht geeigneter Modelle finden Sie im Bereich Schneidräder hydraulisch.

Schneidrad mieten

Asphaltfräsen als Baggeranbau

Während klassische Asphaltfräsen als selbstfahrende Kaltfräsen mit eigenem Fahrwerk verfügbar sind, behandelt dieser Abschnitt ausschließlich Asphaltfräsen als Anbaugerät. Diese sogenannten Baggeranbauasphaltfräsen oder Straßenfräsen als Baggeranbau sind im Grunde spezialisierte Flächenfräsen mit Asphalt-optimierter Meißelbestückung und Gleitkufen für exakte Tiefenführung.

Typische Modellstaffelung

Typische Modellreihen im Markt, beispielhaft nach Trägergerätegewicht gestaffelt:

  • Baggerklasse 2 bis 4 Tonnen: Fräsbreiten um 200 mm, Frästiefen bis etwa 80 mm
  • Baggerklasse 3 bis 7 Tonnen: Fräsbreiten um 300 mm
  • Baggerklasse 6 bis 13 Tonnen: Fräsbreiten zwischen 350 und 500 mm
  • Baggerklasse 10 bis 24 Tonnen: Fräsbreiten zwischen 450 und 600 mm
  • Baggerklasse ab 25 Tonnen: Fräsbreiten bis über 1.000 mm

Typische Einsätze

Eine Asphaltfräse als Baggeranbaugerät wird überall dort eingesetzt, wo keine selbstfahrende Großmaschine sinnvoll ist. Dazu zählen punktuelle Aufgrabungen für Leitungssanierungen, Ausfräsen beschädigter Asphaltstellen vor dem Verfüllen mit Heißasphalt, kleinflächige Sanierungen in Industriearealen, Vorbereitungen für Kanalarbeiten sowie Fräsarbeiten in Bereichen, in die eine Kaltfräse aus Platzgründen nicht einfahren kann. Besonders geschätzt wird die Eigenschaft, horizontal, vertikal und geneigt fräsen zu können, was bei selbstfahrenden Asphaltfräsen nicht möglich ist.

Hydraulische Sägen und Diamantsägen

Neben klassischen Fräsen sind auch hydraulische Sägen als Baggeranbaugerät verfügbar. Eine hydraulische Säge für Bagger, oft auch als Betonsäge für Bagger oder als Baggersäge bezeichnet, arbeitet mit einem rotierenden Sägeblatt, das von einem Hydraulikmotor angetrieben wird. Im Unterschied zu Schneidrädern sitzen die Schneidsegmente nicht als Meißel, sondern als Diamantsegmente oder spezielle Hartmetallzähne auf dem Umfang.

Abgrenzung

  • Hydraulische Trennsäge: Sägeblatt mit Diamantsegmenten für präzise Schnitte in Beton und Asphalt
  • Baggersäge für Holz: ausgelegt für Fäll- und Entastungsarbeiten, mit Kettensäge oder Kreissägeblatt
  • Betonkettensäge: Sonderbauform mit umlaufender Kette, für tiefe, winkelgenaue Schnitte

Typische Einsätze

Hydraulische Sägen für den Bagger kommen zum Einsatz, wenn exakte, schmale Schnitte in Beton, Mauerwerk oder Asphalt erforderlich sind, ohne dass umliegendes Material beschädigt werden darf. Typische Anwendungen sind das Heraustrennen einzelner Betonsegmente, das Öffnen von Wänden in Bestandsbauten, das Schneiden von Dehnungsfugen sowie das Anschneiden von Aufgrabungen vor dem Herausbrechen mit Abbruchzange oder Fräse. Weitere Informationen und Modelle finden Sie im Bereich Säge hydraulisch als Anbaugerät für Bagger.

Trägergeräte und Kompatibilität

Die Wahl des passenden Trägergeräts ist für den wirtschaftlichen Einsatz einer Anbaufräse entscheidend. Der Bagger muss nicht nur die hydraulischen Anforderungen erfüllen, sondern auch mechanisch stabil genug sein, um die Reaktionskräfte der Fräse aufzunehmen.

Bagger und Minibagger

Der klassische Bagger von 1,5 bis über 100 Tonnen Einsatzgewicht ist das Standardträgergerät für Anbaufräsen aller Bauarten. Entscheidend sind die Kennwerte der Baggerhydraulik, insbesondere Zusatzhydraulik (oft als A1- oder Hammerkreis ausgeführt), Rücklauf und eventuell Leckölleitung. Weitere Hintergründe zur Hydraulikausstattung finden Sie im Wissensartikel zur Bagger Hydraulik.

Anbaufräsen für Minibagger sind eine eigene Klasse. Sie sind besonders leicht gebaut, benötigen geringere Ölmengen und sind auf die eingeschränkte Standfestigkeit kleiner Trägergeräte abgestimmt. Modelle ab etwa 0,3 t Eigengewicht eignen sich bereits für Minibagger von 3,5 bis 8 Tonnen.

Traktor, Unimog und Einachser

Anbaufräsen für Traktor oder Unimog sind technisch möglich, in der Baupraxis aber deutlich seltener als am Bagger. Voraussetzung ist eine leistungsfähige Zusatzhydraulik mit ausreichender Ölmenge sowie eine mechanisch geeignete Aufnahme, etwa über Dreipunkt-Anbau, Frontladerkonsole oder Heckkraftheber. Geeignet sind solche Konstellationen vor allem für kleinere Flächenfräsen und spezielle Winterdienstfräsen. Anbaufräsen für Einachser sind in der Regel sehr kompakte Motorfräsen für Bodenbearbeitung und liegen außerhalb des klassischen Baumaschinen-Einsatzspektrums.

Radlader

Die Asphaltfräse für Radlader ist eine Sonderanwendung. Voraussetzung ist eine passende Hydraulikschnittstelle sowie ein mechanisch geeigneter Anbau. Aufgrund der horizontalen Führung eignen sich Radlader vor allem für Flächenfräsen, weniger für tiefenvariable Arbeiten.

Einsatzgebiete im Überblick

Das Einsatzspektrum der Anbaufräse ist durch die Vielfalt der Bauarten außerordentlich breit. Zu den wichtigsten Einsatzgebieten zählen:

  • Abbruch und Rückbau: selektives Abtragen von Beton und Stahlbeton, Profilieren von Abbruchkanten, Fräsen von Öffnungen in Bestandswände
  • Tunnelbau und Untertagebau: Vortrieb in weichem bis mittelhartem Gestein, Profilierung von Tunnelquerschnitten, Nacharbeiten an Tunnelwänden
  • Kanal- und Rohrleitungsbau: Grabenausbildung in felsigem Untergrund, Arbeiten mit definierter Grabenbreite
  • Straßen- und Wegebau: punktuelle Asphaltsanierung, Aufgrabungen, Vorbereiten von Fräsfeldern
  • Spezialtiefbau: Bearbeiten von Bohrpfahlköpfen, Fräsen von Schlitzwänden, Nacharbeiten in Baugruben
  • Betonsanierung: Aufrauen von Betonoberflächen für Verbundschichten, Entfernen schadhafter Betonzonen, Profilieren von Fassaden
  • Fels- und Natursteingewinnung: kontrollierter Abbau in Steinbrüchen, Nacharbeiten an Abbaukanten
  • Glasfaser- und Breitbandausbau: Mikrotrenching mit Schneidrädern, saubere Gräben für Kabelverlegung
  • Unterwasserarbeiten: Fräsen von Schlitzen und Flächen unter Wasser, zum Beispiel im Hafenbau
  • Landschafts- und Garten-/Landschaftsbau: Fräsen von gefrorenem Boden, Ausfräsen von Baumstümpfen mit Spezialfräsköpfen

Eine Anbaufräse arbeitet im Vergleich zum Hydraulikhammer deutlich erschütterungsärmer und leiser, was sie für innerstädtische Einsätze oder Arbeiten in der Nähe empfindlicher Bausubstanz prädestiniert.

Auswahlkriterien für die richtige Anbaufräse

Die richtige Anbaufräse zu wählen, ist kein Katalogthema, sondern eine Frage des konkreten Einsatzes. Folgende Kriterien sollten Sie als Entscheider im Mittelpunkt haben:

  1. Trägergerät und Einsatzgewicht: Gewicht, Reichweite und Standfestigkeit des Baggers bestimmen die maximal sinnvolle Fräsengröße
  2. Hydraulische Leistung des Trägers: verfügbare Ölmenge in l/min und Öldruck in Bar müssen zum gewählten Modell passen
  3. Anbauschnittstelle: Schnellwechsleraufnahme (Symmetrix, Lehnhoff, OilQuick und andere) muss zur Fräse passen oder über einen Adapter kompatibel gemacht werden
  4. Materialart: einaxiale Druckfestigkeit des Materials, Bewehrungsgrad bei Beton, Feuchtigkeit und Zähigkeit bei Boden
  5. Einsatzgeometrie: Fläche, Graben, vertikale Wand, Schrägfläche, eng begrenzter Raum
  6. Schneidkopfbreite und Fräsbreite: muss zur geforderten Grabenbreite oder Arbeitsbreite passen
  7. Frästiefe: pro Durchgang und kumuliert über mehrere Durchgänge
  8. Zusatzausstattung: Rotator für endlose Drehung, Staubbindung, Wasseranschluss, Tiefenverstellung
  9. Meißelbestückung: Hartmetall für Standard, verstärkte Ausführungen für Stahlbeton
  10. Gewicht und Schwerpunkt: wirken sich auf Stabilität, Reichweite und zulässiges Transportgewicht aus

Die Leistung einer Anbaufräse hängt maßgeblich von der einaxialen Druckfestigkeit des zu fräsenden Gesteins ab. Bei hochfesten Materialien ist hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl entscheidend, in weicheren Materialien ermöglicht eine höhere Drehzahl eine größere Flächenleistung. Ein ruhiger, nicht rutschender Schnitt mit konstantem Vorschub erhöht die Standzeit der Meißel deutlich.

Vorteile gegenüber alternativen Verfahren

Anbaufräsen stehen als Alternative oder Ergänzung zu Hydraulikhammer, Abbruchzange, Bohr- und Sprengverfahren sowie mechanischem Stemmen. Ihre spezifischen Vorteile kommen vor allem bei sensiblen Einsätzen zum Tragen:

  • Erschütterungsarm: geringe Einleitung dynamischer Lasten in die umgebende Bausubstanz, ideal für innerstädtische Einsätze und Arbeiten an Bestand
  • Geräuscharm: Schalldruckpegel liegen meist deutlich unter denen eines Hydraulikhammers, was die Einhaltung der TA Lärm erleichtert
  • Feinkörniges Fräsgut: oft direkt wiederverwendbar als Verfüllmaterial, was Transport- und Entsorgungskosten reduziert
  • Maßhaltiger Abtrag: saubere Kanten, definierte Grabenbreiten, ebene Flächen
  • Geringe Sekundärschäden: die umliegende Bausubstanz wird weniger belastet als beim Stemmen oder Sprengen
  • Selektiver Rückbau: mineralische Anteile lassen sich sauber von Bewehrungsstahl trennen, was die Wiederverwertung erleichtert

Eine Übersicht verwandter Anbaugeräte mit komplementären Einsatzprofilen finden Sie in den Wissensartikeln zum Hydraulikhammer und zur Bagger Schaufel.

Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Der Betrieb einer Anbaufräse am Bagger unterliegt in Deutschland einer Reihe rechtlicher Vorgaben, die sowohl das Anbaugerät als auch das Trägergerät und den Einsatzort betreffen.

  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und CE-Kennzeichnung: Anbaufräsen gelten als auswechselbare Ausrüstung im Sinne der Maschinenrichtlinie und benötigen eine eigenständige CE-Kennzeichnung sowie eine Konformitätserklärung des Herstellers
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): regelt die sichere Bereitstellung und Nutzung von Arbeitsmitteln, darunter auch die Pflicht zur regelmäßigen Prüfung
  • DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention) und DGUV Regel 100-500: enthalten konkrete Vorgaben für den Betrieb von Baumaschinen und Anbauwerkzeugen, einschließlich Unterweisung der Bediener
  • TA Lärm: bei Einsätzen in oder nahe Wohngebieten sind die Immissionsrichtwerte zu beachten, die eine Anbaufräse aufgrund ihres geringen Schalldruckpegels häufig besser einhält als ein Hydraulikhammer
  • TA Luft und Arbeitsschutz bei Staub: beim Fräsen mineralischer Materialien entstehen quarzhaltige Stäube, die je nach Konzentration unter die Gefahrstoffverordnung fallen; häufig sind Staubbindemaßnahmen durch Wassereinspritzung oder Absaugung erforderlich
  • Gefährdungsbeurteilung: vor Einsatz einer Anbaufräse ist eine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz zu erstellen, die insbesondere Lärm, Vibration, Staub, herabfallende Teile und Kippgefahren des Trägergeräts umfasst

Darüber hinaus sind die herstellerseitigen Vorgaben zu Wartungsintervallen, Meißelwechsel und hydraulischer Anschlussgestaltung verbindlich, da deren Nichtbeachtung sowohl die CE-Konformität als auch die Betriebssicherheit berührt.

Anbaufräsen mieten: Wirtschaftlichkeit und Flexibilität

Anbaufräsen sind Spezialwerkzeuge, deren Einsatzzeit je nach Unternehmensstruktur stark schwanken kann. Gerade für Einsätze, die nur wenige Tage oder Wochen dauern, etwa punktuelle Felsgräben, einzelne Betonsanierungen oder Sonderarbeiten in Tunnelprojekten, ist die Miete einer Anbaufräse oft die wirtschaftlich sinnvollere Option als ein Kauf. Hinzu kommt, dass die rasante Entwicklung der Bauarten, insbesondere bei Kettenfräsen und spezialisierten Schneidrädern, ein Mietmodell attraktiv macht, weil es Zugriff auf jeweils aktuelle Modelle bietet, ohne Kapital langfristig zu binden.

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FAQ: Häufige Fragen zu Anbaufräsen

Was ist der Unterschied zwischen einer Anbaufräse und einer selbstfahrenden Asphaltfräse?

Eine Anbaufräse ist ein Anbaugerät ohne eigenen Antriebsmotor und ohne eigenes Fahrwerk. Sie wird über die Hydraulik des Trägergeräts, meist eines Baggers, angetrieben und über dessen Ausleger geführt. Eine selbstfahrende Asphaltfräse oder Kaltfräse ist eine eigenständige Baumaschine mit Fahrwerk und Verbrennungsmotor, die primär für großflächige Straßenarbeiten konzipiert ist.

Welche Anbaufräse passt zu welcher Baggergröße?

Jede Anbaufräse ist für eine bestimmte Baggergewichtsklasse freigegeben. Kleine Fräsen für Minibagger arbeiten ab etwa 1,5 Tonnen Einsatzgewicht, Standardmodelle decken die Baggerklassen 8 bis 25 Tonnen ab, schwere Ausführungen kommen an 40- bis 125-Tonnen-Baggern zum Einsatz. Entscheidend sind nicht nur das Baggergewicht, sondern auch Ölmenge und Öldruck der Zusatzhydraulik.

Wie unterscheidet sich eine Rotationsfräse von einer Flächenfräse?

Eine Rotationsfräse, auch Querschneidkopffräse genannt, hat zwei quer zum Baggerstiel rotierende Trommeln und ist für vielfältige Fräsaufgaben einsetzbar. Eine Flächenfräse ist eine für horizontalen, flächigen Abtrag optimierte Bauart mit seitlichen Gleitkufen und präziser Tiefenführung. Flächenfräsen eignen sich besonders gut für ebenen Materialabtrag, zum Beispiel auf Asphaltflächen oder Industrieböden.

Kann ich mit einer Anbaufräse auch Stahlbeton fräsen?

Ja, entsprechend ausgestattete Anbaufräsen können Stahlbeton bearbeiten. Voraussetzung sind verstärkte Meißelbestückungen, ausreichendes Drehmoment am Schneidkopf und eine passende Trägergerätgröße. Bei stark bewehrtem Beton kann es sinnvoll sein, die Bewehrung zuerst mit Multi-Scheren oder Stahlscheren zu trennen und erst danach mit der Fräse abzutragen.

Welche Vorteile hat eine Kettenfräse gegenüber einer klassischen Querschneidkopffräse?

Die Kettenfräse trägt das Material über die gesamte Grabenbreite in einem Durchgang ab, ohne dass ein Mittelsteg stehen bleibt. Das spart Zeit und bis zu 40 Prozent Energie gegenüber vergleichbaren Querschneidkopffräsen. Zusätzlich entsteht ein exakt definierter Graben, was vor allem im Kanalbau und in der Rohrleitungsverlegung von Vorteil ist.

Ist eine Anbaufräse für den Einsatz in Wohngebieten geeignet?

Grundsätzlich ja, denn Anbaufräsen arbeiten deutlich erschütterungs- und geräuscharmer als Hydraulikhämmer. Dennoch müssen die Vorgaben der TA Lärm, die Immissionsrichtwerte sowie etwaige kommunale Auflagen beachtet werden. Bei feinstaubkritischen Einsätzen, etwa in der Nähe von Wohnhäusern, empfiehlt sich der Einsatz mit Wasserbedüsung oder Staubabsaugung.

Welche Ölmenge und welchen Druck benötigt eine Anbaufräse?

Die Anforderungen variieren stark nach Modell. Kleine Fräsen für Minibagger arbeiten bereits mit 30 bis 60 l/min, mittlere Modelle benötigen 80 bis 200 l/min, große Ausführungen bis über 500 l/min. Der typische Arbeitsdruck liegt zwischen 250 und 420 Bar. Vor Einsatz ist die Baggerhydraulik immer gegen die Herstellerangaben der Fräse abzugleichen.

Brauche ich einen Rotator zwischen Bagger und Anbaufräse?

Ein Rotationsmodul oder Rotator ermöglicht das endlose Drehen der Fräse um die Hochachse und erweitert den Einsatzbereich erheblich, besonders bei vertikalen Wänden, Schrägflächen oder beengten Räumen. Für viele Standardeinsätze ist ein Rotator nicht zwingend, bei Spezialarbeiten in Tunneln, an Fassaden oder im Spezialtiefbau ist er jedoch oft sinnvoll.

Wie lange hält ein Meißelsatz an einer Anbaufräse?

Die Standzeit der Rundschaftmeißel hängt stark vom bearbeiteten Material ab. In weichem Sandstein oder Asphalt können Meißel mehrere hundert Stunden halten, in hartem Granit oder stark bewehrtem Stahlbeton kann ein Wechsel bereits nach wenigen Einsatzstunden nötig sein. Regelmäßige Kontrolle und der zeitgleiche Austausch aller stark verschlissenen Meißel verlängern die Lebensdauer der Fräse selbst deutlich.

Kann ich eine Anbaufräse auch unter Wasser einsetzen?

Viele Bauarten, insbesondere Rotationsfräsen, Längsschneidkopffräsen und Schneidräder, sind grundsätzlich für Unterwassereinsätze geeignet, sofern Dichtungen und Leckölführung entsprechend ausgelegt sind. Typische Anwendungen sind Schlitz- und Flächenfräsen im Hafen- und Wasserbau. Die Herstellerangaben zur Unterwassertauglichkeit und maximalen Einsatztiefe sind dabei zwingend zu beachten.
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